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Skilegenden der 1960er erzählen in Werfenweng von einer anderen Skiwelt
Sechs ehemalige österreichische Rennläuferinnen trafen sich im Sommer 2026 erneut in Werfenweng. Beim Gesprächsabend ging es um Lederschuhe, Bleiwesten und einen Pokal, der an einen Mann ging.
Weltmeisterschaften, Olympische Spiele, Podestplätze: In den 1960er-Jahren gehörten Christl Ditfurth, Traudl Eder, Brigitte Seiwald, Christl Staffner und die Schwestern Edith und Heidi Zimmermann zu Österreichs erfolgreichen Skirennläuferinnen. Die sechs sind bis heute befreundet. Früher schrieben sie einander Briefe, heute haben sie eine WhatsApp-Gruppe. Seit 2001 treffen sie sich regelmäßig, meistens am Arlberg.
Nach Werfenweng kamen sie über ihren Freund Hans Müller, den Kurator des Salzburger FIS-Landesskimuseums. Ein erstes Treffen gab es 2024, im Sommer 2026 folgte das zweite.
Rennsport ohne Preisgeld und Physiotherapie
Beim Gesprächsabend im aja Campus Werfenweng hörten rund 60 Gäste zu. Viele staunten darüber, wie anders der Skisport damals war. Preisgeld gab es keines, Physiotherapie nach Verletzungen ebenso wenig, und Fangnetze oder große Betreuerteams waren alles andere als selbstverständlich.
- Traudl Eder erzählte, dass die Läuferinnen zum Konditionstraining mit Bleiwesten vom Dachstein herunterliefen. Im Sommer arbeitete sie in der Konditorei ihrer Schwester.
- Christl Staffner fuhr einmal ein Rennen am Ätna auf Sizilien. Ski und Schuhe mussten selbst auf den Vulkan getragen werden. Gefahren wurde in Lederschuhen, die die Sportlerinnen mit Riemen selbst verstärkten.
- Christl Ditfurth, aufgewachsen in Tenneck, fuhr am Zehnerkar in Obertauern Tagesbestzeit und war damit schneller als die Herren. Den Pokal bekam trotzdem ein Mann. In Argentinien erhielt sie später zwar den Siegerpokal, wurde aber zusätzlich zur „Schneekönigin“ gekürt. Dieser Pokal war größer.
- Brigitte Seiwald erinnerte sich, dass es in ihrem ersten Mannschaftsjahr im Ziel erst einmal einen Schnaps gab.
Von Rivalität erzählen die sechs heute kaum, die gemeinsamen Reisen haben sie zusammengeschweißt. Seiwald sagte dazu: „Mein Gegner war immer die Zeit.“
Ausflug in die Eisriesenwelt
Auf Einladung von Tourismusdirektor Josef Holzmann besuchten die Frauen auch die Eisriesenwelt in Werfen. Für Christl Ditfurth war es eine Rückkehr: Als knapp Zehnjährige war sie mit ihren Eltern zu Fuß zur Höhle hinaufgewandert, denn die Seilbahn fuhr erst ab 1955.
Ob sie noch einmal Rennen fahren würden? Alle sagten ja. Allerdings nur mit modernen Skischuhen und einem ordentlichen Betreuerstab.